Die Bibel
Die Bibel ist mit bis zu fünf Milliarden verkauften Exemplaren das am häufigsten gedruckte, meist übersetzte und weitest verbreitete Buch der Welt. Das Wort „Bibel“ stammt aus dem Griechischen (biblia) und bedeutet „Bücher“. Sie ist eine Sammlung von verschiedenen Einzelschriften bzw. Büchern und versteht sich trotzdem als ein perfekt harmonisches Ganzes. Sie gliedert sich in das Alte und das Neue Testament, zusammengesetzt aus 39 Schriften im Alten Testament sowie 27 Schriften im Neuen Testament. Hinzu kommen eine Reihe weiterer Schriften, die sogenannten „Spätschriften“ oder „Apokryphen“ (verborgene Bücher).
Geschrieben wurde die Bibel über einen Zeitraum von 1’500 Jahren auf drei Kontinenten in drei Sprachen von rund 40 Menschen aus unterschiedlichsten sozialen Hintergründen. Diese Autoren dokumentierten die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk und behandeln die großen kontroversen Fragen des Lebens. Außerdem werden Vorhersagen vermittelt, von denen sich viele bereits nachweislich erfüllt haben und einige kurz vor der Erfüllung stehen. Ihre inspirierten Worte sind das, was wir heute als die „Heilige Schrift“ oder „Gottes Wort“ kennen. Sowohl die Archäologie, die Geschichtsschreibung als auch die Wissenschaft haben die Bibel bestätigt. Der größte Zeuge für das Wesen und die Wahrheit der Bibel ist und bleibt Jesus Christus. Das ist die größte Bekräftigung.
vor Christus
Altes Testament
Drei Büchergruppen bestimmen den Aufbau des Alten Testaments: die geschichtlichen Bücher, die poetischen Bücher, die prophetischen Bücher. Die Anordnung folgt dem Schema Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. Die geschichtlichen Bücher erzählen von der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel in der Vergangenheit. Die Lieder und Gebete in den poetischen Büchern spiegeln das Gotteslob in der Gegenwart. Die prophetischen Bücher verweisen auf das Wirken Gottes in der Zukunft..
Geschichtliche Bücher
Diese Büchergruppe lässt sich in drei Untergruppen gliedern:
Am Anfang stehen die fünf Bücher MOSE. In der Wissenschaft werden sie auch als „Pentateuch“ bezeichnet, abgeleitet aus dem Griechischen. Es bedeutet „Fünf-Rollen-Buch“ und kennzeichnet dadurch die Zusammengehörigkeit der fünf Schriftrollen bzw. der fünf Bücher. Im Judentum spricht man von der Tora, der „Weisung Gottes“. Die einzelnen Bücher werden in manchen Bibelausgaben mit ihren lateinischen Namen benannt. Diese Namen bestehen aus einem Stichwort, das auf den Inhalt der einzelnen Bücher verweist: GENESIS (Schöpfung), EXODUS (Auszug), LEVITIKUS (levitisches Gesetzbuch), NUMERI (Zahlen), DEUTERONOMIUM (zweites Gesetzbuch). Die fünf Bücher Mose beginnen mit Erzählungen von der Erschaffung der Welt, der Sintflut, der Entstehung der Völker und dem Turmbau zu Babel. Diese Erzählungen werden auch als „Urgeschichte“ bezeichnet (Genesis 1–11). Anschließend wird die lange Vorgeschichte Israels geschildert, die nach den Hauptpersonen Abraham, Isaak, Jakob, Josef auch „Vätergeschichten“ oder „Elterngeschichten“ genannt werden (Genesis 12–50). Die weiteren Bücher erzählen vom Auszug Israels aus Ägypten und der Wüstenwanderung. Im Mittelpunkt dieser Schriften stehen der Bundesschluss zwischen Gott und seinem Volk am Berg Sinai und die Kundgabe des Bundesgesetzes, dessen wichtigster und bekanntester Teil die Zehn Gebote sind (Exodus 20). Den Abschluss der Erzählungen bildet eine lange Rede des Mose vor dem Einzug in das verheißene Land, in der er vom Volk Israel Abschied nimmt. Denn Mose durfte das Land nur sehen, aber nicht betreten. Im letzten Kapitel wird von seinem Tod berichtet (Deuteronomium 34).
Die zweite Untergruppe besteht aus den Büchern JOSUA bis 2. KÖNIGE. In der Wissenschaft wird dieser Teil auch als das „deuteronomistische Geschichtswerk“ bezeichnet. Der Name kommt daher, weil sich die Theologie, die in diesen Büchern vertreten wird, am Maßstab des Deuteronomiums orientiert. Die einzelnen Schriften erzählen die Geschichte Israels vom Einzug in das verheißene Land und der Entstehung der beiden Königreiche Israel und Juda bis hin zu der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Babylonier und die Wegführung der Bevölkerung ins babylonische Exil (586 v. Chr.) Diese Katastrophe bedeutete einen grundlegenden Einschnitt in der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Es war eine ausgesprochene Krisensituation. Sie führte dazu, dass zu dieser Zeit weite Teile des deuteronomistischen Geschichtswerkes aufgeschrieben wurden, um das Vergangene zu bewahren und daraus für die Zukunft zu lernen.
Zur dritten Untergruppe gehören die Bücher 1. und 2. CHRONIK, ESRA, NEHEMIA und ESTER. Die beiden Chronikbücher bilden ein weiteres Geschichtswerk, das „chronistische Geschichtswerk“. Es stammt aus dem 3. Jh. v. Chr. und schildert die Geschichte Israels von Adam bis zum Ende des babylonischen Exils. Weite Teile der Samuel- und Königebücher werden darin nochmals neu erzählt. Schwerpunkte sind die Vorbereitung und Errichtung des Jerusalemer Tempels. Beide daran beteiligten Könige David und Salomo werden idealisiert dargestellt. Die Bücher Esra und Nehemia setzen das Geschichtswerk fort und erzählen von der Heimkehr aus dem Exil, dem Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem (Zweiter Tempel) und der Gründung eines jüdischen Gemeinwesens mit Billigung durch die persische Zentralregierung. Am Schluss steht das Buch Ester. Es berichtet von einer schweren Verfolgung, die den Juden im Perserreich drohte. Diese konnte durch die Jüdin Ester abgewendet werden, die zur persischen Königin aufgestiegen war.
Poetische Bücher
Zu dieser Büchergruppe gehören der PSALTER sowie die Bücher HIOB, SPRICHWÖRTER, PREDIGER und das HOHELIED. Das bekannteste und umfangreichste Buch dieser Gruppe ist der Psalter, eine Sammlung von 150 Psalmen. Sie ist in der Hebräischen Bibel mit „Buch der Lobgesänge“ überschrieben. Nach dem Vorbild der fünf Bücher Mose wurde der Psalter in fünf Bücher eingeteilt. Jedes Buch schließt mit einem besonders klangvollen Lobpreis, mit einem „Amen“ oder „Halleluja“ (41:14; 72:18-19; 89:53; 106:48; 150:6). Die Lieder und Gebete sind in einem Zeitraum von etwa 500 Jahren entstanden und wurden immer wieder neu gesungen und gebetet. Bis heute gehören die Psalmen untrennbar zur Gebetstradition des Judentums und Christentums.
Unter den poetischen Büchern bilden Hiob, Sprichwörter und Prediger eine eigene Gruppe. Sie gehören zur Weisheitsliteratur. Dabei versteht man unter „Weisheit“ eine durch Erfahrung gewonnene, praktische Lebensklugheit, die auf Gott und seine Schöpfungsordnung hin orientiert ist. Vermittler dieser Weisheit sind Menschen, die sich darum bemühen, durch Ratschläge, Sprichwörter, Mahnungen und Lehrreden den Weg zu einem gerechten und glücklichen Leben zu zeigen. In späterer Zeit kommt es auch zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Geltungsanspruch der Weisheit (vgl. Hiob, Prediger).
Eine Sonderstellung unter den poetischen Büchern nimmt das Hohelied ein. Dabei handelt es sich um eine kunstvoll gestaltete und bilderreiche Sammlung von Liebes- und Hochzeitsliedern. Obwohl das Wort „Gott“ nicht vorkommt, wird es als Ausdruck der Liebe zwischen Gott und Israel interpretiert. Die KLAGELIEDER, die ebenfalls poetisch sind und die Zerstörung Jerusalems thematisieren, wurden aufgrund ihres Inhalts dem Buch Jeremia und somit den prophetischen Büchern zugeordnet.
Prophetische Bücher
Zu dieser Büchergruppe gehören die vier großen Propheten JESAJA, JEREMIA, HESEKIEL, DANIEL und die zwölf kleinen Propheten HOSEA, JOEL, AMOS, OBADJA, JONA, MICHA, NAHUM, HABAKUK, ZEFANJA, HAGGAI, SACHARJA, MALEACHI. Die kleinen Propheten werden zusammengefasst auch als „Zwölfprophetenbuch“ (Dodekapropheton) bezeichnet.
Die Propheten übermittelten ihre Botschaft ursprünglich mündlich, nutzten spezifische Formen der prophetischen Rede und hielten ihre Worte teilweise schriftlich fest, wodurch sie als Schriftpropheten bekannt wurden. Man unterscheidet zwischen dem mündlich verkündeten Prophetenwort und dem Prophetenbuch, in dem ihre Aussagen gesammelt wurden. Die umfangreiche Schriftform der Prophetenworte unterstreicht ihre Bedeutung und ihren Einfluss in Israel und dient dazu, ihre Botschaft als lebendiges Gotteswort aktuell zu halten.
Es sind vor allem diese Prophetenbücher, die uns die Propheten als Menschen entgegentreten lassen, die sich für Gottes Wort und sein Wirken in Gesellschaft, Religion, Politik und Geschichte engagieren. Das belegt die Vielfalt ihrer Themen in eindrucksvoller Weise: So äußern die Propheten schonungslose Kritik an sozialen Missständen. Sie setzen sich ein für die Rechte der Armen (Amos 2:6-8), sie kritisieren deren Ausbeutung und ziehen Großgrundbesitzer, Händler, Beamte und Richter dafür zur Rechenschaft (Micha 2:1-5). Scharfe Worte fallen auch gegenüber dem Volk und den Priestern, weil sie Gottesdienste feiern, aber zugleich ihre Mitmenschen lieblos und ungerecht behandeln (Jesaja 1:10-17; Amos 5:21-24). Könige wiederum werden dafür angegangen, dass sie das Volk verkommen lassen oder es durch eine falsche Bündnispolitik ins Unglück stürzen (Jesaja 31:1-3).
Für das Christentum spielen die messianischen Verheißungen in den Prophetenbüchern eine besondere Rolle. So wird in der Immanuelsverheißung (Jesaja 7:14-16) die Geburt eines Retters angekündigt. Der künftige Herrscher wird ein Nachkomme Davids sein (Jeremia 23:5-6) und aus Betlehem kommen (Micha 5:1-3). Er wird als Friedenskönig herrschen (Jesaja 9:1-6) und auf einem Esel reiten (Sacharja 9:9-10). Diese und ähnliche Aussagen werden im Neuen Testament auf Jesus Christus bezogen. Damit bilden die prophetischen Bücher einen Übergang zum Neuen Testament.
Spätschriften / Apokryphen
Diese Bücher stammen aus der griechischen Bibel, der sogenannten „Septuaginta“. Es handelt sich um zusätzliche Bücher, die neben den aus dem Hebräischen übersetzten Bücher des Alten Testaments in die griechische Bibel aufgenommen wurden. Zu den Spätschriften gehören die Bücher TOBIT, JUDIT, WEISHEIT SALOMOS, JESUS SIRACH, BARUCH und die beiden MAKKABÄERbücher sowie ZUSÄTZE zu den Bücher ESTER und DANIEL. In der katholischen Kirche nennt man sie „Deuterokanonische Schriften“, weil sie zu einem „zweiten Kanon“ gehören (von griechisch deuteros „der Zweite“). Martin Luther hat sie unter dem Titel Apokryphen (verborgene Schriften) an das Ende des Alten Testaments gestellt. Er hielt sie nicht für so zentral wie die anderen kanonischen Bücher, aber doch für „nützlich und gut zu lesen“. Deshalb sollten Christen auch diese Bücher in ihrer Bibelausgabe finden.
Zu den geschichtlichen Büchern gehören Tobit, Judit und die Makkabäerbücher. Tobit und Judit sind erbauliche Erzählungen aus der Diaspora. Die Makkabäerbücher berichten vom Widerstand gegen die Umwandlung des Jerusalemer Tempels in ein Zeus-Heiligtum. Ein jüdischer Freiheitskämpfer, der den militärischen Aufstand anführte, erhielt den Beinamen „Makkabäus“ (aramäisch „Hammer“). Danach wurde die gesamte Widerstandsbewegung als „Makkabäeraufstand“ bezeichnet. Die Weisheit Salomos und Jesus Sirach zählen zu den poetischen Büchern bzw. zur spätbiblischen Weisheit. Das Buch Baruch, benannt nach dem Schreiber des Propheten Jeremias, zählt zu den prophetischen Büchern und ist in der griechischen Bibel hinter dem Jeremiabuch eingeordnet.
Eine Sonderrolle spielen die Stücke zu Ester und Daniel. Beim Danielbuch handelt es sich um das „Gebet des Asarja“, den „Gesang der drei Männer im Feuerofen“, „Susanna im Bade“ und „Bel und der Drachen“. Nur in der Lutherbibel wird das BUßGEBET DES KÖNIGS MANASSE als Abschluss des Alten Testaments angefügt.
Die Spätschriften finden zunehmend Beachtung, da sie wichtige Zeugnisse für das Verständnis des Judentums zur Zeit Jesu sind. Insbesondere die Weisheit Salomos, entstanden zwischen 30 v. Chr. und 30 n. Chr., wurde wahrscheinlich von Paulus im Römerbrief zitiert.
nach Christus
Neues Testament
Ähnlich wie im Alten Testament lassen sich die Schriften des Neuen Testaments in drei Gruppen einteilen: Die erste Gruppe enthält die geschichtlichen Bücher, das sind die Evangelien und die Apostelgeschichte. Die zweite Gruppe umfasst die Briefe, die einen Einblick in das Leben der ersten christlichen Gemeinden geben. Die dritte Gruppe besteht nur aus einem einzigen prophetischen Buch, der Offenbarung des Johannes. Dieses Buch wird auch als Apokalypse (Enthüllung) bezeichnet und beschreibt die Wende in eine neue Zukunft, welche durch die Wiederkunft von Jesus Christus ermöglicht und herbeigeführt wird.
Geschichtliche Bücher
Die VIER EVANGELIEN und die APOSTELGESCHICHTE erzählen von Jesus Christus und der Ausbreitung des Evangeliums. Das Wort „Evangelium“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gute Nachricht“. Gemeint ist die Botschaft von Jesus Christus, der durch sein Wirken, seinen Tod und seine Auferstehung den Menschen und der Welt eine heilvolle Zukunft eröffnet hat. Das Wort „Evangelium“ bezeichnet diese Botschaft und zugleich die Schriften, die diese Botschaft weitergeben. Dabei geht es den Evangelien nicht darum, einen rein historischen Bericht vorzulegen. Vielmehr wollen sie durch ihre Erzählungen zum Glauben an Jesus Christus führen.
Die ersten drei Evangelien MATTHÄUS, MARKUS und LUKAS werden auch „Synoptiker“ genannt. Die Bezeichnung ist von dem griechischen Verb „zusammenschauen“ abgeleitet. Sie weist darauf hin, dass diese drei Evangelien viele Texte gemeinsam haben, teilweise bis in den Wortlaut hinein. Man spricht dann von den „synoptischen Parallelen“. (In der Lutherbibel und anderen Bibelübersetzungen sind sie nach der Überschrift in Klammern angegeben.) Auch in der Reihenfolge der Darstellung stimmen die Synoptiker überein. Das hat darin seinen Grund, dass Matthäus und Lukas sich am Aufbau des ältesten Evangeliums, dem Markusevangelium, orientieren. Darüber hinaus haben Matthäus und Lukas noch weitere Teile gemeinsam, die jedoch im Markusevangelium nicht enthalten sind. Man geht deshalb davon aus, dass die beiden unabhängig voneinander noch eine „zweite Quelle“ benutzt haben. Diese wird in der Wissenschaft als „Logienquelle“ oder „Spruchquelle“ bezeichnet, weil sie vor allem Reden und Aussprüche von Jesus enthalten hat (vgl. die Bergpredigt in Matthäus 5–7 und die Feldrede in Lukas 6:17-49). Die Spruchquelle ist zwar nicht erhalten geblieben, lässt sich aber aus den gemeinsamen Texten von Matthäus und Lukas nach ihrem Umfang und Wortlaut annähernd rekonstruieren. [Ggf. Hinweis auf den Artikel „Logienquelle“]
Das vierte Evangelium von JOHANNES unterscheidet sich deutlich von den drei anderen Evangelien. Das betrifft sowohl den Aufbau und Wortlaut des Evangeliums als auch seinen theologischen Charakter. Besonders deutlich wird das in seiner Darstellung der „Passion“, der Leidensgeschichte Jesu. Für Johannes ist das Kreuz nicht der Tief-, sondern der Höhepunkt des Weges Jesu. Als Sohn Gottes trägt er selbst das Kreuz bis zur Hinrichtungsstätte. Am Kreuz stirbt er nicht mit einem Verzweiflungsschrei, sondern mit dem Wort: „Es ist vollbracht“ (Johannes 19:30). Damit erfüllt sich, was am Anfang seines Weges vorgezeichnet ist: Jesus muss „erhöht werden“ (3:14). Vermutlich ist das Johannesevangelium später entstanden als die anderen drei Evangelien. Seine sprachliche Eigenart und seine verdichteten bildhaften Formeln, z.B. „Ich bin das Brot des Lebens“ (6:35), haben dazu geführt, dass dieses Evangelium in den christlichen Kirchen bis heute eine große Bedeutung hat.
Die Apostelgeschichte bildet den Abschluss der geschichtlichen Bücher. Sie setzt das Lukasevangelium fort und stammt vom selben Verfasser. Man spricht deshalb auch vom „lukianischen Doppelwerk“. Die Apostelgeschichte beginnt dort, wo das Lukasevangelium endet: mit der Himmelfahrt des Auferstandenen (Apostelgeschichte 1:9-14). Sie schildert den Weg, den die Verkündigung des Evangeliums nimmt: von Jerusalem, dem Zentrum Israels, bis in die Stadt Rom, dem Zentrum der heidnischen Welt. Streng genommen ist die Apostelgeschichte eine urchristliche Kirchengeschichte. Die erste Gemeinde in Jerusalem gilt dabei als Vorbild christlichen Zusammenlebens durch Gütergemeinschaft (Apostelgeschichte 4:32-35). Im Weiteren wird erzählt, wie die Christen erste Konflikte lösen und Dienste und Ämter einrichten, die in späterer Zeit zunehmende Bedeutung erlangen.
Briefe
Die Briefe bilden die zweite große Gruppe von Schriften im Neuen Testament. Sie enthält 21 Briefe, die von den Aposteln selbst oder unter ihrem Namen an verschiedene christliche Gemeinden und an Einzelpersonen geschrieben wurden. Die größte und wichtigste Sammlung bilden die Briefe des Paulus. Sie sind zugleich die ältesten schriftlichen Teile des Neuen Testaments.
Die Paulusbriefe umfassen 13 Briefe, die Paulus als Verfasser nennen. Zu den echten Paulusbriefen, die der Apostel in den Jahren zwischen 50 und 56 n. Chr. geschrieben hat, gehören die folgenden Briefe in der Reihenfolge ihrer zeitlichen Abfassung: Zuerst entstand der erste Brief an die THESSALONICHER. Danach folgten der Brief an PHILEMON, der Brief an die PHILIPPER, die beiden Briefe an die KORINTHER, der Brief an die GALATER und der RÖMERbrief. Diese Briefe behandeln die Botschaft von Kreuz und Auferstehung Jesu, setzen sich mit Gemeindeproblemen auseinander, widerlegen falsche Lehren und geben Anweisungen für das Gemeindeleben.
Bei den weiteren Briefen, in denen Paulus als Verfasser genannt wird, ist heute umstritten, ob sie tatsächlich von Paulus selbst stammen. Es handelt sich um die Briefe an die KOLOSSER, an die EPHESER, den zweiten Brief an die THESSALONICHER sowie die beiden Briefe an TIMOTHEUS und den TITUSbrief. Diese Briefe unterscheiden sich sprachlich und inhaltlich teilweise deutlich von den echten Paulusbriefen. Man nimmt deshalb an, dass sie später entstanden sind. Die am Ende der Sammlung stehenden und unter dem Namen des Paulus an seine Mitarbeiter Timotheus und Titus adressierten Briefe werden außerdem als „Pastoralbriefe“ bezeichnet. Die Bezeichnung ist von dem lateinischen Wort „Hirte“ abgeleitet und bedeutet hier „geistlicher Leiter“ einer christlichen Gemeinde. Inhaltlich richten sich die Pastoralbriefe entsprechend an Gemeindeleiter, denen strenge Verhaltensregeln auferlegt werden. Zugleich lässt sich in diesen Briefen eine Entwicklung zu besonderen Ämtern in der Gemeindeleitung ablesen: Diakone, Presbyter („Älteste“), Bischöfe (1.Timotheus 3:1-13).
Eine Sonderstellung nimmt der HEBRÄERbrief ein. Er enthält keine Angabe zu seinem Verfasser. Weil am Ende des Briefes jedoch Timotheus erwähnt wird, ein enger Mitarbeiter des Paulus (Hebräer 13:23), wurde der Brief lange Zeit für einen Paulusbrief gehalten und hinter die anderen Paulusbriefe gestellt. Die Eigenart des Hebräerbriefs besteht darin, dass er ausführlich mit dem Alten Testament und der jüdischen Tradition argumentiert.
Auf die Paulusbriefe folgen die sogenannten „katholischen“ Briefe. Das Wort „katholisch“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „allgemein“. Die katholischen Briefe sind also in der Regel nicht an eine einzelne Gemeinde oder Person gerichtet, sondern an einen größeren Leserkreis oder allgemein an die gesamte Kirche. Im Unterschied zu den Paulusbriefen werden die katholischen Briefe nicht nach den Adressaten, sondern nach den Absendern benannt: JAKOBUS, PETRUS, JOHANNES und JUDAS. Diese Personen standen in hohem Ansehen bei den ersten Gemeinden: Jakobus und Judas waren Brüder von Jesus (Markus 6:3), Petrus und Johannes gehörten zu den Jüngern (Markus 1:14-20). Es wird angenommen, dass diese Briefe um 100 n. Chr. verfasst wurden und die Zeit des Wirkens der Apostel reflektieren, anstatt direkt von ihnen geschrieben worden zu sein.
Prophetisches Buch
Die OFFENBARUNG DES JOHANNES steht in der Tradition der prophetischen Bücher. Sie schildert vor allem apokalyptische Visionen vom Ende der Welt. Doch diese sind verbunden mit der Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.
Das Buch entstand vermutlich am Ende des 1. Jh. n. Chr. in Kleinasien (heutige Türkei) unter der Herrschaft von Kaiser Domitian (81–96 n. Chr.), der den Kaiserkult rigoros durchsetzte. Christen, die das Bild des Kaisers nicht anbeten wollten, drohte der Tod. Diese Verfolgungssituation der Gemeinden bildet den historischen Hintergrund für die Offenbarung, die Johannes auf der Insel Patmos empfing und niederschrieb.
Trotz der apokalyptischen Visionen will die Offenbarung keine Angst oder Schrecken verbreiten. Im Gegenteil: Sie soll die verfolgten Christen in Kleinasien ermutigen, standhaft zu bleiben und an ihrem Glauben an Jesus Christus festzuhalten. Johannes versichert seinen Gemeinden, dass die Bedrängnisse bald überwunden sein werden. Babylon, das Sinnbild für das kaiserliche Rom, wird untergehen. Christus selbst erscheint, um die widergöttlichen Mächte, das Tier und den Drachen, endgültig zu besiegen. Das Neue Testament endet nicht mit dem Weltuntergang, sondern mit dem Ausblick auf eine neue Zukunft, in der Gott selbst gegenwärtig ist. Dann wird er „abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein“ (Offenbarung 21:4).